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Albert D. Wien


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Sommer
Wenn wir die Sommerferien auf dem Land verbrachten, dann verflogen die Tage herrlich unbekümmert und voll spannender Erlebnisse. Manchmal aber waren sie auch recht lange und jede Aussicht auf ein „Abenteuer“ das Ziel des nicht enden wollenden Tages. Und eines davon war vor dem Wochenende, denn freitags kam unsere Großmutter immer aus Wien. An solchen Tagen waren die Zeiger der langsam tickenden Uhr in der Küche wie schlaftrunken schwer und haben sich scheinbar gegen ein Weiterbewegen gewehrt. So war manchmal ein Freitag extra lange in meiner Wahrnehmung und je später der Nachmittag desto näher war mein Aufenthaltsort am Einfahrtstor. Dann war es so weit. Das vertraute Brummen des kleinen grünen Gefährts mit dem schokoladefarbenen Dach und hinter dem Volant meine Großmutter mit extragroßer Sonnenbrille bog in die Einfahrt ein. Das Tor war schon längst von mir geöffnet, wird nun durchfahren. Ich kann es kaum erwarten die fragenden Worte meiner Großmutter zu hören. „Möchtest du mitfahren auf dem Kotflügel?“ Hurra, jetzt nur ja nichts falsch machen. Mit einem Fuß auf dem höchsten Punkt des Vorderrads abstützen und dabei nicht im Kotflügel stecken bleiben. Dann auf den Kotflügel setzen, die Beine ausstrecken, das Linke liegt ganz entspannt in der Mulde zwischen Motorhaube und Kotflügel und das rechte Bein hängt wie bei einem Reiter einfach runter, nur fehlt leider der Steigbügel, aber so rasant ging es ja dann den Kiesweg nicht hinauf. Kaum hatte ich Platz genommen auf der rechten Seite außerhalb der Fahrgastzelle, ging es auch schon los. Ich spürte die Hitze unter mir, die wohl durch die Anreise aus der Stadt entstanden ist, doch alle anderen Eindrücke waren viel intensiver, als die Wärme unter mir. Es vibrierte, brummte und vor allem knirschte der Kiess unter den mit chromblitzenden Radkappen verzierten Rädern. Das Abenteuer währte nicht sehr lange, denn wir wohnten ja nicht auf einem Schloss mit langen Auffahrten, aber voll Begeisterung sprang ich vom Kotflügel und begrüßte meine Großmutter mit breitem Grinsen.

Winter

Fahrt ins Salzkammergut

Ein Winter in den Siebzigern: mein Vater noch immer ein Freund englischer Automobile (obwohl unser erstes Familienauto ein Volvo Amazon war und damit unser standhaftestes vor allem pannenfreies Fahrzeug war) wechselte auf Princess. Der Stolz von British Leyland mit 6 Zylinder Motor quer eingebaut. Tolles Konzept hat aber bei uns nicht immer ganz so funktioniert wie gehofft. Ganz besonders damals nicht an unserem Abreisetag ins Salzkammergut. Nun da wir alle und das sind immerhin Mutter, Vater, Schwester, Bruder und ich schon auf Wegfahren eingestellt waren, gab es kein Zurück mehr. Das Gepäck wieder raus, die Wintermäntel an den Haken und dann wurde mit unserer Großmutter Kontakt aufgenommen, ob sie denn ihren Mini denn die nächste Woche dringend brauchen würde. Nun was genau alles besprochen wurde wusste ich nicht, aber es wird sich ein guter Teil davon um die scheinbar nicht lösbaren Platzprobleme gedreht haben, da meine Großmutter als sie bei uns in der Wohnungstüre hereinkam ohne Unterbrechung gesprochen hatte. Was sie sagte kann ich heute nicht mehr sagen, aber dass es sich um die Schnapsidee mit dem Mini in Winterurlaub zu fahren drehte, das habe ich mir gemerkt. Ist schon erstaunlich, was man sich merkt. Damals war ich in etwa auf Augenhöhe mit der Dachkante des Mini. Ist also schon eine Weile her, aber das war einfach zu aufregend um es zu vergessen. Das ganze Gepäck wurde einer Abspeckungskur unterzogen. Sozusagen das ganz kleine Reisegepäck. Was dabei rauskam war für mich spektakulär, denn ich bin plötzlich um Jahre gewachsen. Normalerweise bin ich in der Mitte auf der Rücksitzbank gesessen und hatte dadurch besten Blick auf die Instrumente im chromumrandeten Ei. Aber an diesem Tag saß ich 10 Zentimeter höher und hatte damit ungeahnten Ausblick auf das Geschehen während der Fahrt. Ein Umstand den ich der Tatsache zu verdanken hatte, dass meine Mutter meinte es wäre am besten die Mäntel und Jacken auf der Rücksitzbank zu verstauen und uns drei drauf zu setzten. Durch diese Methode wurde das Abenteuer Salzkammergut gestartet. Von da an hatte ich jeden Kilometer der Fahrt beobachtet. Und die Fahrt dauerte lange, weil Schneefahrbahn und Nachtfahrt dazukamen. Unser Mini meisterte das alles mit Bravur. Ein Hoch der Panne unseres Princess, sonst wäre ich nie in den Genuss dieser Erinnerungen gekommen.


Interieur

Meine automobilen Erinnerungen stehen in engen Zusammenhang mit Minis. In meiner Welt der Wahrnehmung gab es viele bunte Autos, aber von innen kannte ich nur den Mini wirklich gut. Oder vielleicht besser gesagt, kann ich mich an die Eindrücke am besten erinnern. Denn vom Innenraum unseres Amazon, Prinzess oder davor dem Allegro ist nichts hängen geblieben. Aber an das Tachoei mit seinen wie Diamanten leuchtenden Kontroll-Lampen kann ich mich gut erinnern. Stets habe ich bei Fahrten mit dem Mini beobachtet, wie die Nadel der Tankanzeige langsam wandert. Ganz großes Kino waren die Phasen als es richtig schnell dahin gegangen ist, denn da habe ich mich dann immer gefragt, ob wir es wieder schaffen „auf Zündung“ zu fahren. Nicht oft hat es das gegeben, aber als ich das zum ersten Mal erlebt habe, wusste ich, dass der Mini etwas Besonderes war. Wer den alten Tacho des Mini kennt, weiß Bescheid. Also „auf Zündung“ bedeutet eigentlich dass die Tachonadel soweit über das Ende der Anzeige gewandert ist, dass sie bei der Ladekontroll-Lampe angekommen ist. Also das war für mich schon was. Weil damals kannte ich als einzigen Zusammenhang mit Geschwindigkeit und Anzeige den Tacho auf meinem Fahrrad und da war ich ganz weit weg von Tachonadel über die Anzeige drehen können.


Seitentaschen

Die unergründlichen Tiefen der hinteren Seitentaschen. Mini und hinten mitfahren sind auch Erinnerungen, die geblieben sind. Die chromumrandeten Taschen links und rechts der Sitzbank waren immer gut für eine Erkundungstour mit den Händen. Was da alles Platz gefunden hat. Ertasten, was meine Großmutter denn da alles mitführt war immer spannend. Wobei manchmal auch mit schwarzen Fingern belohnt. Und dann war da in der Mitte vor der Sitzbank der Aschenbecher. Hier nicht mit den Fingern hineinzufahren das war eigentlich gar nicht möglich. Das war eher schon Wettkampf, wer von uns denn schneller war. Und dann haben wir unser Mannerzuckerlpapier in den ovalen Schlitz des Aschenbechers gesteckt und gehofft, dass das nicht auffällt. Also bis heute habe ich nicht gehört, dass wir jemals etwas dort versteckt hätten…